Lernort Schule: Gemeinsam lernen in der Schule und im Alltag

Schulbehörde und Schulleitungen der Volksschulgemeinde Bürglen informierten die Eltern und Erziehungsberechtigten aller Zyklen über das pädagogische Konzept «Lernort Schule». Sie zeigten auf, wie Kinder ohne klassische Hausaufgaben lernen und üben, und wie Eltern sie dabei sinnvoll begleiten können.

Seit der Einführung von Lernlandschaften im Jahr 2005 gilt in der Sekundarschule Bürglen (Zyklus 3) bereits das Konzept des «Lernorts Schule». Die Jugendlichen erledigen dabei keine klassischen Hausaufgaben mehr, sondern üben den Schulstoff im Rahmen des regulären Unterrichts, begleitet von den Lehrpersonen als Lern-Coaches. Dieses Konzept lancierten vor Jahresfrist auch die Primarschulen. Anlässlich eines Eltern-Informationsabends am 29. Juni 2026 zog die VSG eine erste Bilanz.

Informationsbedarf unterschätzt

Dass mit dem «Lernort Schule» die klassischen Hausaufgaben der Vergangenheit angehören, hat bei Eltern teilweise Fragen ausgelöst. Schulpräsident Dani Schiller sprach dies bei seiner Begrüssung offen an: «Wir haben unterschätzt, wie gross der Informationsbedarf und wie unterschiedlich die Erwartungen auf Seiten der Eltern sind.» Der Informationsabend hatte deshalb das Ziel, Transparenz zu schaffen, das Konzept verständlich zu erklären und den Dialog zu stärken.

Lernen gehört in die Schule

Die Schule bilde den Ort, an dem Kinder lernen, üben und wachsen, so Schulleiter Fabian Traber. «Konkret bedeutet dies: Üben und Vertiefen finden bewusst in der Schule statt, begleitet durch Lehrpersonen, mit direktem Feedback und unter vergleichbaren Bedingungen für alle Kinder.» Anstelle von Hausaufgaben setzt die Schule auf Trainingsphasen, in denen grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen aufgebaut und gefestigt werden. Damit verschiebt sich der Fokus weg vom selbstständigen Abarbeiten von Aufgaben hin zu einem begleiteten Lernprozess, in dem Lehrpersonen die Kinder gezielt unterstützen und individuell fördern. Gleichzeitig bleiben die Lernziele unverändert.

Einblick in den Lernprozess

Auch die Frage der Transparenz wurde am Elternabend aufgegriffen. Während früher einzelne Hausaufgaben sichtbar waren, erhalten Eltern heute differenziertere Einblicke in den Lernprozess ihres Kindes. Lernjournale, Rückmeldungen und Gespräche zeigen auf, woran ein Kind arbeitet und wie es Fortschritte macht. Damit wird Lernen nicht nur sichtbarer, sondern auch verständlicher: «Es geht nicht mehr primär darum, ob eine Aufgabe erledigt ist, sondern ob ein Kind Inhalte wirklich versteht und anwenden kann», so Fabian Traber.

Was Eltern konkret tun können

Wie Eltern ihre Kinder weiterhin unterstützen können, zeigte Rahel Tschopp auf, die neue Schulleiterin der Standorte Leimbach und Istighofen. Lernen ende nicht mit dem Schultag; das Zuhause bleibe ein wichtiger Ort für die Entwicklung, nicht durch Pflichtaufgaben, sondern durch gemeinsames Erleben im Alltag. Rahel Tschopp: «Eltern können ihr Kind aktiv stärken, indem sie gemeinsam Zeit gestalten und Lerngelegenheiten nutzen. Sie spielen zusammen Gesellschaftsspiele, lesen ihrem Kind vor, sprechen über das Gelesene oder erklären, was im Alltag passiert. Sie beziehen ihr Kind beim Kochen, Einkaufen oder Werken ein und lassen es mitdenken und mithelfen.» Auch einfache Tätigkeiten wie Tischdecken oder Gartenarbeit würden so zu Lernmomenten.

Ebenso wichtig sei die Vorbildrolle: Wer selbst regelmässig liest – in Büchern oder Zeitungen – zeige dem Kind, dass Lernen Teil des Alltags ist. Der Beitrag der Eltern verschiebt sich damit weg von der Kontrolle einzelner Aufgaben hin zu einer aktiven Begleitung im Alltag, die Neugier, Selbstständigkeit und Verständnis stärkt.

Ergebnisse der 360GradUmfrage

Fabian Traber informierte ausserdem über die Erkenntnisse aus der kürzlich durchgeführten 360‑Grad‑Umfrage. Der Grundgedanke, das Lernen stärker in die Schule zu verlagern, wird gemäss den Rückmeldungen grundsätzlich mitgetragen. Gleichzeitig zeigte die Umfrage, dass sich viele Eltern klarere Einblicke und eine verständlichere Erklärung des neuen Systems wünschen. «Genau dazu wollten wir heute Antworten liefern», so Fabian Traber. Ziel sei es, den «Lernort Schule» nicht nur in der Praxis weiter zu stärken, sondern ihn auch besser sichtbar zu machen – mit klaren Strukturen, einheitlicher Kommunikation und konkreten Einblicken in den Lernprozess.

Ein gemeinsamer Weg

Der «Lernort Schule» ist kein abgeschlossenes Konzept, sondern ein gemeinsamer Entwicklungsprozess, an dem sowohl die Schule als auch die Eltern beteiligt sind. Deshalb ist es den Schulleitungen und der Schulbehörde auch wichtig, Rückmeldungen aufzunehmen und mit ihnen den Ansatz weiterzuentwickeln. Alle Eltern wurden eingeladen, ihre Fragen und Bemerkungen auf Flipcharts zu hinterlassen oder später per Escola oder per E-Mail einzureichen (info@schulebuerglen.ch).

Der Dialog mit den Eltern bleibt ein zentrales Anliegen der VSG Bürglen, damit die Kinder unter guten, fairen Bedingungen lernen können – in der Schule und darüber hinaus.

Dokument Fragen und Antworten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema «Lernort Schule» können hier heruntergeladen werden.